Das erste Mal- Der erste Kuss

Davids pov:

Hi, mein Name ist David Karofsky. Ihr habt keine Ahnung, wer ich bin? Setzt einen Fuß in McKinnley und ihr wisst es- spätestens, wenn euch eine eiskalte Soße übers Gesicht läuft. Slushies brennen kalt und widerlich in den Augen, sickern durch die Klamotten und kleben an der Haut. Woher ich das so genau weiß? Wen interessiert das schon? Mich nicht. Ist ja nicht so, als würde ich das nochmal erleben. Das tun nämlich nur Loser und Schwule. Nicht, dass das ein Unterschied wäre. Ich bin kein Loser. Ich bin ein richtiger Kerl. Komm mir dumm und du machst Bekanntschaft mit der Fury. Meine Faust, was sonst? Ich sehe, wir verstehen uns. Dann ist das geklärt. Mein erster Kuss? Der war geil. Ich wollte es sofort nochmal tun. Warum ich es nicht getan hab? Was geht euch das an? Meinetwegen. Also gut. Sie hat mich weggestoßen. Warum? Woher soll ich denn das wissen? Nein ich bin kein Idiot. Ok?! Es war mehr oder weniger nicht freiwillig. Also von ihrer Seite. Obwohl, eigentlich wollte ich auch nicht. Sie hat mich auf die Palme gebracht mit ihren dummen Beleidigungen und dann ist es einfach passiert. Kann ja nicht jeder eine Eisprinzessin sein und einen kühlen Kopf behalten. Ich bin eben auch nur ein Mann. Und sie eine Frau? Genau! Ihr habt es erfasst. Also beinahe. So gut wie. Genau genommen eben nicht. Und das kotzt mich sowas von an! Dieser Idiot! Er hat es quasi provoziert. Jeden Morgen und jeden Mittag und genau genommen ständig. Er läuft rum wie die Queen persönlich. Stolz und merkwürdig und anders. Hohe Stimme, enge Klamotten. Ein Schwuler eben. Ein totaler Loser. Warum ich rot anlaufe? Vor Wut, warum denn sonst? Natürlich auf ihn. Auf mich? Wieso sollte ich? Ok, ich bin wütend auf mich, zufrieden? So wütend, dass ich mir am liebsten ständig eine reinhauen würde. Warum? Weil ich nicht aufhören kann ihn anzusehen. Und anzufassen. Seit neustem. Nein, natürlich geht das nicht einfach so. Er soll mich beachten, tut er aber nicht. Also sorge ich dafür, dass er es tut. Wie es ihm damit geht? Was stellt ihr denn für dämliche Fragen? Interessiert doch auch keinen wie es mir geht. Ich sterbe jeden Tag ein bisschen und keiner sieht’s. Und er ist Schuld. Wenn er weg wäre, dann müsste ich nicht ständig daran denken. Dass ich ein Schwuler bin, meine ich. Ein Loser. Macht keinen Unterschied, sag ich ja.

Kurts pov:

Hallo, mein Name ist Kurt Elizabeth Hummel. Ihr habt noch nicht von mir gehört? Nun ja, das ist nur eine Frage der Zeit. Irgendwann werdet ihr von mir hören. Wenn ich am Broadway bin. Wenn ich die ganz großen Nummern singe, dann hört ihr von mir. Bis dahin kämpfe ich mich durch meinen Alltag voller Neandertaler und Ignoranten. Nun, das sollte ich vielleicht erläutern. Die Neandertaler sind die Trolle mit den Slushies in der Hand. Widerliches Zeug sage ich euch. Habt ihr schon mal versucht fabolous auszusehen, wenn ihr euch zweimal am Tag umziehen müsst? Haare waschen, neu einsprühen, neue Creme auftragen. Und die Kleidung- andere scheitern schon an Kleidungskombinationen für einen Tag. Seht euch nur Mr. Schuester an, unseren Chorleiter und Lehrer. Oder meinen so- gut- wie- Stiefbruder, Finn. Keinen Sinn für Mode, der Junge. Keine Ahnung wie ich mich in den verlieben konnte. Oh, die Ignoranten? Das ist schon schwieriger. Genau genommen sind das meine Freunde. In letzter Zeit zumindest. Das versteht ihr nicht? Zählt eben zwei und zwei zusammen- Neandertaler tun was? Genau. Sie wenden rohe Gewalt an. Sehr schön. Jetzt erklärt noch was Ignoranten tun und schon habt ihrs raus. Ob es immer so war? Nein. Ein bisschen vielleicht, aber nicht so schlimm. In letzter Zeit wird es immer schlimmer. Wegen Karofsky. Einer der erwähnten Steinzeitmenschen. Es gab einen Vorfall und seit dem würde er mich am liebsten umbringen. Ob ich Angst habe? Hallo? Ich weiß nicht ob er mich als nächstes verprügelt oder vergewaltigt. Oh. Das ist mir rausgerutscht. Überhört es einfach. Tun alle anderen doch auch. Also eigentlich habe ich das bisher nur meinem besten Freund erzählt, Blaine. Er ist toll. Ich kenne ihn noch nicht so lange, aber ich glaube mit ihm hätte ich gerne meinen ersten Kuss gehabt. Also den ersten mit einem Jungen. Warum das nicht geht? Nun ja, das ist das Problem. Das war Karofsky. Er hat mich geschupst, ich habe ihn konfrontiert und ein paar unschöne- aber hey, ich hab nicht gelogen- Sachen gesagt und er hat mich geküsst. Ich weiß nicht warum. Ob er schwul ist? Vielleicht. Deshalb kann ich es nicht erzählen. Ich kann ihn nicht outen. Sowas tue ich nicht. Ich habe schließlich meinen Stolz. Ob er was von mir will? Nein. Nein ich glaube nicht. Sonst würde er mich nicht so behandeln, oder? Dann hätte ich einen romantischen ersten Kuss haben können. So wie in richtig alten Büchern. Mit Blaine, vielleicht. Was ich jetzt tue? Überleben, fürs erste.

Snuggles pov:

Ein Jahr später… Sieht die Situation der Beiden ganz anders aus. Sie sind beide in ihrem Abschlussjahr, allerdings an unterschiedlichen Schulen. David schließt Kontakte in der einzigen Schwulenbar in ganz Lima und Kurt hat seinen Blaine bekommen. Aber darum soll es hier nicht gehen. Hier geht es um ihren ersten Kuss. Sicherlich empfindet jeder einen Kuss anders. Kurt und David sind ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Wahrnehmung sein kann. Kurt steht nach diesem Kuss einfach nur unter Schock, David möchte nochmal, möchte einfach nur fühlen. Nur für einen Moment. Da stellt sich die Frage was schlimmer ist- seinen ersten Kuss mit Gewalt genommen zu bekommen, oder ihn sich mit Gewalt nehmen zu müssen. Aber natürlich kann man das so nicht beantworten. Was mich an dieser Story so fasziniert hat, war der Einblick, den man auch in Davids Sicht bekommt. Es geht hier nicht nur um ein Mobbingopfer, es geht auch um den Mobber und die Beziehung zwischen ihnen. Mitfühlen tut man ganz automatisch mit Kurt, aber auch David darf am Ende zeigen, dass er verletzlich ist. Das seine Gewalt ein Ausdruck von seinem Selbsthass ist. In gewisser Weise hat mich sein Charakter daher stärker fasziniert, als Kurts. In manchen Situationen hasst man ihn einfach nur, in anderen sieht man hinter die Fassade und möchte ihm helfen. Mich persönlich hat es sehr gefreut, dass sie die Beiden in Frieden haben auseinander gehen lassen und es würde mich freuen, David wieder zu sehen.

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